Jeder will älter werden, kein will älter sein. Was bedeutet der demografische Wandel?

Jeder will älter werden, kein will älter sein. Was bedeutet der demografische Wandel?
Bericht von einer Tagung.

Was ist demnächst? Was ist schon heute? Was heute nicht ist, wird in den nächsten 30 Jahren nichts… Wie gehen wir mit sozialer Segregation um? Benachteiligungen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen; Gesellschaftliche Entwicklungen bergen immenses Konfliktpotenzial – Wer zahlt für wen? Was tun die jungen Alten? Verteilungsfrage! Viele unbeantwortete Fragen.

Was heute diskutiert wird, ist Fakt. Wanderung, Fertilität, Lebenserwartung – diese 3 Faktoren sind die entscheidenden Aspekte, die die demografische Entwicklung bedingen

Demografische Entwicklung als Flaschenhals für tief greifenden Strukturwandel – inbesondere was die kommunale Infrastruktur betrifft: Kinderbetreuungsplätze werden ungenützt bleiben, Schulen leeren sich (in Baden-Württemberg wird es in den nächsten 30 Jahren ein Fünftel weniger Schüler geben), erhöhter Bedarf altersgerechter Wohnformen, Pflegeeinrichtungen, Spielräume, Freiräume; Als Beispiel hierfür die Situation in Baden-Württemberg: 2060 leben in BW voraussichtlich 9,1 Mio. Menschen, das entspricht dem Bevölkerungsstand von 1970 und wäre ein 1/6 der heutigen Bevölkerung; die Verteilung der Altersgruppen verdeutlicht die Herausforderung: die Gruppe der 60 jährigen und älter wird deutlich größer und besonders die Gruppe der „Hochbetagten“ (über 85) wird sich in den nächsten 30 Jahren verdoppeln; Daraus ableitend steigt die Zahl der Pflegebedürftigen stark um 51% bis 2031.

Der demografische Wandel betrifft nicht nur Kommunen, sondern alle Bereiche unserer Gesellschaft.
• Folgen für Unternehmen; Sowohl was die Ausbildung von Lehrlingen (besonders jene mit Migrationshintergrund), als auch die Aus- und Weiterbildung älterer Arbeitnehmer; Belegschaft altert – betriebliches Gesundheitsmanagement;
• Ältere als Zielgruppe für Politik und Markt

Aber auch die Konkurrenz zwischen den Kommunen nimmt stark zu: als Folge der Bevölkerungsabwanderung, insbesondere im Bereich der Bildung (Schulen) und der Wirtschaft (Ansiedelung in prosperierenden Regionen). Auslastung öffentlicher Einrichtungen ist nicht mehr gewährleistet, birgt katastrophale Folgen, Häuser stehen leer und verfallen. Kommunale tlw. Interkommunale Einrichtungen (Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder,…) werden nicht mehr ausgelastet und verlieren wirtschaftliche Rentabilität. Ausbildung, Arbeitsplätze und moderner Lebensstil als entscheidendene Faktoren für Abwanderung. Wiederum ein Beispiel welches auf dramatische Weise den Handlungsbedarf veranschaulcht: eine Stadt mit 26.000 Ew. hat ein ungenütztes Wohnpotenzial von leer stehenden Häusern und Gebäuden für rund 6.000 Personen. Und das nicht in der Peripherie (wo in Konkurrenz mit anderen Kommunen weiterhin billiges Bauland freigegeben wird), sondern im Ortskern. Was dies für eine zentrale Infrastruktur und Nahversorgerstrukturen bedeutet liegt auf der Hand.

Besonders die Ausführungen von Oswald Metzger, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, fokussierten abschließend nochmals auf die ökonomische Bedeutung des demografischen Wandels. An dieser Stelle einfach einige Zitate seines Vortrags:

„Wir leben in einer Gesellschaft ökonomischer Analphabeten. Das was wir ausgeben, müssen wir erwirtschaften. Seit den 1960er Jahren leben wir auf den Kosten zukünftiger Generationen.“

„Staatsverschuldung ernährt sich mittlerweile selbst. Dieses Problem verschärft sich extrem, wenn man den demografischen Wandel mit betrachtet. Die ökonomische Dimension der Alterssicherung ist enorm – ein Beispiel: Wie kann es sein, dass Bundespolitiker nach acht Jahren Parlament – ohne je einen Cent in das Beitragssystem einbezahlt zu haben – Anspruch auf eine Alterssicherung von 2400€ haben. Hätte ich das meinem Großvater erzählt, der 46 Jahre als Gießer in einem Stahlwerk arbeitete und eine Rente von 2000 DM bekam, hätte er die Welt nicht mehr verstanden.“

„Wer finanziert die steigenden Kosten? Wie soll das Gesundheitssystem finanziert werden?
Stichwort Multimorbidität, Rolle der Krankenversicherung; steigende Kosten für Behandlung, weniger Beitragszahler; eine Entkoppelung der Kosten/Finanzierung für das Sozial- und Gesundheitssystem von Arbeit ist ein unabdingbarer Schritt! Selbstbehalt führt zur Nachfragesteuerung im Gesundheitssystem.“

„Mehr Eigenverantwortung und bürgerschaftliches Engagement sind kein bloßes Gerede, sondern eine essentielle ökonomische Notwendigkeit!“

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Bild von ShelleyBENJAMIN

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