Eine neue Studie (Perlot/Zandonella: Wählen mit 16 – Jugendliche und Politik in Österreich, 2009) in der SWS-Rundschau, die das Wahlverhalten und die Einstellung von 16-18jährigen Jugendlichen zur Politik untersuchte, bestätigt einerseits bisher bekannte Annahmen und bringt andererseits auch neue Perspektiven in die Diskussion des Verhältnisses von Jugend und Politik ein.
Vorangestellt werden muss der Aspekt, dass nicht von den Jugendlichen gesprochen werden kann. Die Altersgruppe der 16-18jährigen ist sehr differenziert zu betrachten. So zeigen die Ergebnisse deutlich den Unterschied zwischen Schülern und bereits erwerbstätigen Jugendlichen. Schüler zeigen ein deutlich stärkeres Interesse in Politik als dies bei der Vergleichsgruppe der Erwerbstätigen der Fall ist. Aber auch bei den Schülern selbst differenzieren die Ansichten je nach Schultyp – so weisen AHS-Schüler ein höheres Interesse in Politik auf als BHS-Schüler.
Kurzum: je höher die Bildung desto größer ist das Interesse in Politik. Dies bestätigen nicht nur andere Studien, dies zeigt sich vor allem auch im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements.
Der Bildungsunterschied spiegelt sich also sowohl in der passiven als auch in der aktiven Rolle (politische Teilhabe) wider. Eine Erklärung dafür sehen die Autoren in der Vermittlung von Politik und politischer Bildung im Schulsystem. Eine äquivalente gesellschaftliche Instanz ist außerhalb des Bildungssystems nicht vorhanden bzw. kann dies nicht ausreichend kompensieren.
Ein weiterer Aspekt der Studie scheint mir besonders interessant: Die Wahrnehmung von Politik an sich. So werden unter Politik im Wesentlichen zwei Unterschiede erkannt: einerseits PolitikerInnen, Parteipolitik und der damit verbundene Wettbewerb und andererseits „ein deutlich weiteres Feld an politischen Aktivitäten und Handlungsfeldern.“ Dazu zählt unter anderem Mitbestimmung in der Schule oder das Engagement bei gesellschaftspolitischen Themen, z.B. in Form von Mitarbeit bei NGO´s.
Die Ergebnisse der Studie zeigen klar welch großes Bedürfnis nach politischen Informationen vorhanden ist, es aber kaum geeignete Orte für politische Bildung außerhalb des Schulsystems gibt. Daraus ergibt sich die Frage wie Unternehmen und Betriebe darauf reagieren.
Ist es überhaupt relevant oder von Interesse, wenn die jungen MitarbeiterInnen politische Bildung vermittelt bekommen? Welche Folgen bringt eine betriebliche Beteiligungskultur und politische Bildung in Unternehmen mit sich? Vielleicht Engagierte und eigenverantwortlich agierende Mitarbeiter?
Oder welche anderen gesellschaftlichen Akteure können diese Lücken schließen?